Eine kleine Auswahl meiner Freitagspredigten. Bitte zum Ausklappen auf die Thementitel klicken.
Richtig entscheiden
Liebe Brüder und Schwestern,
im Laufe seines Lebens hat der Mensch immer wieder Entscheidungen zu treffen, steht vor Entscheidungen, weiß nicht, welchen Weg er dann geht? Wie geht man vor in solchen Situationen? Wie trifft man Entscheidungen?
Der Islam hat uns drei Vorgehensweisen, drei Dinge, drei Hilfestellungen sozusagen genannt, gegeben:
Einmal dass man sich bemüht, seinen Verstand und sein Wissen einsetzt um zu einer richtigen Entscheidung zu kommen. Das zweite, dass man andere zu Rate zieht. Und das dritte ist, dass man ein Gebet verrichtet mit der Bitte um das Finden der richtigen Entscheidung.
Und all diese Dinge – liebe Brüder und Schwestern – macht man bei Entscheidungen, bei denen es sich um Dinge handelt, die im neutralen Bereich liegen, weil es eben Dinge oder Handlungen gibt, die Pflicht sind, andere, die erwünscht sind, andere, die unerwünscht sind und wiederum andere, die verboten sind! Diese Dinge, da haben wir eine klare Vorgabe von Allah, wie man zu handeln hat. Aber der größte Bereich der menschlichen Handlungen liegt im Bereich des Neutralen, wo man eben Entscheidungen zu treffen hat!
Man wird dazu angehalten, sein Bestes zu geben, um eben das Beste für sich zu erreichen, von dem man denkt, dass das gut für einen ist! Dies finden wir in der Aussage des Propheten (s): „sorge dich um das, was dir nutzt!“ setze dich dafür ein, kümmere dich darum, eben um das, was dir nutzt, was dich weiter bringt und bitte Allah um seine Hilfe. Dass man sich einsetzt, dass man sich darum sorgt oder kümmert – liebe Brüder und Schwestern – bedeutet aber auch, dass dies im Rahmen des Erlaubten zu geschehen hat. Das heißt: es geht nicht, dass man sagt: ich versuche mich durch unerlaubte Art und Weise zu bereichern, z.B. durch Zinsnahme, in der Meinung, dass es einem nutzt, wobei Allah einem dies verboten hat, dies nur als Bespiel!
Auch – liebe Brüder und Schwestern – das, was einem nutzt, darf anderen nicht schaden, das heißt: man darf nicht so handeln nach dem Motto „Ich und nach mir die Sintflut!“, sondern dass man sich der Aussage des Propheten (s) erinnert: „kein Schaden für mich, aber auch kein Schaden für andere!“
Auch bei Entscheidungen, die verschiedene Personen betreffen, z.B. in der Familie, in einem Unternehmen oder in einem Team, dass man nicht eigennützig handelt oder die Entscheidung trifft, sondern dass man auch die anderen Menschen, die anderen Personen bei seiner Entscheidung berücksichtigt, dass denen auch kein Schaden entsteht!
Zweitens – liebe Brüder und Schwestern – dass man sich andere zu Rate zieht, dass man nicht nur die eigene Meinung hat, sondern, dass man sich andere Meinungen einholt!
Die gegenseitige Beratung ist ein wichtiges Prinzip im Islam, so sagt Allah im Koran zu seinem Propheten: „Und berate dich mit ihnen in allen Angelegenheiten von öffentlichem Interesse!“ (Koran 03:159) An andere Stelle beschreibt Allah die Gläubigen so, dass „deren Regel (in allen Angelegenheiten von allgemeinem Interesse) Beratung untereinander ist.“ (Koran 42:38). Entsprechend hat der Prophet (s) gesagt: „Zur Religion gehört die gegenseitige Beratung bzw. der gute Ratschlag!“
Der Prophet hat auch gesagt: „Wenn den einen von euch sein Bruder um seine Meinung bezüglich einer Sache fragt und um einen Rat bittet, so soll dieser jenem einen guten und aufrichtigen Rat geben!“
Aber wen fragt man? – liebe Brüder und Schwestern. Man fragt diejenigen, von denen man weiß, dass sie Wissen haben, dass sie Erfahrungen haben, dass sie z.B. Experten in einem bestimmten Gebiet sind, in dem man eine Entscheidung zu treffen hat!
Wie fragt man? Man stellt seine Situation richtig, aufrichtig und vollständig dar, damit man einen guten Rat, eine gute Hilfe bei der Entscheidung bekommen kann.
Und all dies – liebe Brüder und Schwestern – entbindet einem nicht seine Verantwortung! Das heißt, wenn ich andere um Rat oder Hilfe bei der Entscheidung frage, so entscheiden sie nicht für mich und tragen auch keine Verantwortung für meine eigene Entscheidung! Die Folgen bzw. die Konsequenzen der eigenen Entscheidung hat man selber zu tragen!
Drittens – liebe Brüder und Schwestern – ist das „Istichara-Gebet“, das Gebet um das Finden einer richtigen Entscheidung. Der Gläubige steht in einer Verbindung zu seinem Schöpfer, hat die Liebe zu Allah und hat auch das Vertrauen auf Ihn und weiß, dass Allah die Allmacht hat, dass Allah das Wissen hat und dass Allah die Güte hat. Entsprechend bittet man Allah um eine richtige Entscheidung, weil Allah die Macht, das Wissen und die Güte hat.
In einem Ausspruch des Propheten (s), überliefert von seinem Gefährten Dschabir:
„Der Gesandte Allahs (s) lehrte uns, um Eingebung zur richtigen Entscheidung (bei Allah) zu erbitten, wie er uns auch die Suren des Koran lehrte, indem er sagte:
Wenn einer von euch etwas vorhat, dann soll er ein Gebet verrichten, das aus zwei Gebetseinheiten (Rak’a) besteht und nicht zu den Pflichtgebeten gehört, und anschließend sprechen: „O Allah, ich bitte Dich um die Eingebung der richtigen Entscheidung aufgrund Deines Wissens; und ich bitte Dich um Kraft (zur Durchführung des Vorhabens) durch Deine Macht, und ich bitte Dich um Deine unermessliche Gunst. Denn Du hast die Macht (dazu) und ich nicht, und Du weißt (alles), und ich weiß nicht(s); und nur Du kennst das Verborgene! O Allah! Wenn Du weißt, dass diese Angelegenheit (und nennt sein Anliegen!) gut ist für mich, für meinen Glauben, für meine Lebensführung und für mein Ende (oder sagt: für mein diesseitiges und jenseitiges Leben), so bestimme sie mir und erleichtere sie mir, sie zu erreichen! Und gib mir dann Deinen Segen dazu! Weißt Du aber, dass diese Angelegenheit (und nennt sein Anliegen!) schlecht ist, für mich, für meinen Glauben, für meine Lebensführung und für mein Ende (oder sagt: für mein diesseitiges und jenseitiges Leben), so wende sie von mir ab und halte mich von ihr fern! Bestimme mir Gutes, wo immer dies auch sei, und mache mich dann zufrieden damit.“
Man verrichtet also dieses Gebet und trifft dann seine Entscheidung im Vertrauen auf Allah.
Es ist nicht überliefert, und entsprechend auch nicht richtig, dass man nach diesem Gebet auf eine Eingebung im Traum wartet oder dass man den Koran aufschlägt und nach Zeichen oder Hinweisen für die richtige Entscheidung sucht!
Der große Gelehrte Ibn Taymiyya hat gesagt: „Derjenige wird es nicht bereuen, der den Schöpfer um das Finden der richtigen Entscheidung bittet, der seine Mitmenschen sich zu Rate zieht und der dann standhaft und konsequent seinen Weg geht!“
Der vierte Kalif Ali ibn Abi Talib sagte: „Zur Rechtleitung gehört, dass man sich berät. Wer sich auf seine eigene Meinung beschränkt, geht ein Risiko ein! Eine gute Vorbereitung vor der Durchführung einer Entscheidung bewahrt dich vor der Reue danach!“
Sollte man im Nachhinein meinen oder feststellen, dass man doch eine falsche Entscheidung getroffen hat, so ist dies kein Weltuntergang! Man soll nicht verzweifeln oder sich ständig Vorwürfe machen oder sagen: wenn und wäre!
Stattdessen soll man auf der einen Seite aus seinen Fehlern bzw. falschen Entscheidungen lernen. Auf der anderen Seite akzeptiert man die Bestimmung Allahs und setzt seinen Weg im Vertrauen auf Allah fort.
Der Prophet (s) hat ja gesagt: „Der starke Gläubige ist Allah lieber als der schwache Gläubige; in jedem ist jedoch Gutes vorhanden. Halte dich fest an das, was dir nützt, flehe Allah um Hilfe an und gib nicht auf! Sollte dir etwas zustoßen, dann sage nicht „Hätte ich nur dies und das getan!“ Aber du sollst sagen, „Allah hat es bestimmt und Sein Wille geschieht“, denn „Hätte“ öffnet nur dem Satan die Tür.“
Möge Allah, der Erhabene uns zu seinen rechtschaffenen Dienern zählen, amen!
Bedenke, was du sagst
Liebe Brüder und Schwestern,
Allah der Erhabene hat seinen Propheten (s) dazu angehalten, Geschichten zu erzählen, damit die Menschen sich darüber ihre Gedanken machen mögen und vielleicht auch davon lernen.
„Es gab einmal einen Vater, der einen schwierigen Sohn hatte. Dieser hat sich immer wieder aufgeregt und hat andere in diesem Zustand beschimpft und beleidigt. Und der Vater wusste nicht, was er mit diesem Sohn machen kann, bis er eines Tages auf eine Idee kam, welche er alsbald in die Tat umsetzte:
Er gab seinem Sohn einen Beutel voller Nägel und sagte zu ihm:
„Pass auf mein lieber Sohn: Jedes Mal, wenn du dich aufregst und wütend wirst und dazu neigst, jemanden zu beleidigen oder zu beschimpfen, dann geh zum Zaun unseres Gartens und schlag dort einen Nagel ein.“
Am ersten Tag schlug der Sohn viele Nägel in den Zaun, und das störte ihn, denn es kostete Zeit und Kraft, so dass er erkannte, er müsste langsamer machen und müsste versuchen, sich weniger aufzuregen, damit er nicht jedes Mal zu diesem Zaun gehen und Nägel einschlagen muss! Und so wurden es von Tag zu Tag weniger Nägel, die er einzuschlagen hatte, bis er eines Tages voller Stolz zu seinem Vater kam und sagte:
„Heute musste ich keinen einzigen Nagel einschlagen!“
Und der Vater sagte zu ihm: „Gut gemacht, mein Sohn! Aber ab heute sollst du für jeden Tag, an dem du nicht in Streit mit jemandem gerätst, einen Nagel wieder aus dem Zaun herausziehen!“
Auch dies tat der Sohn, wenngleich es auch dauerte, Wochen und Monate vergingen, bis er damit fertig war. Dann kam er zu seinem Vater und sagte:
„Vater! Ich bin heute fertig geworden! Es gibt keinen Nagel mehr in unserem Zaun!“
Da sagte der Vater zu ihm: „Gut gemacht! Aber jetzt wollen wir gemeinsam zu unserem Zaun gehen!“ Dort sagte er zu ihm: „Siehst du jetzt den Zaun? Wie ist sein Zustand? Ist es der Zustand, in dem dieser Zaun war, bevor du diese Nägel da eingeschlagen hast? Nein! Da siehst du die Löcher und die Spuren, die dein Handeln hinterlassen hat!
Und weißt du? Ganz ähnlich verhält es sich, wenn wir Menschen beschimpfen oder beleidigen und etwas Schlechtes sagen. Das ist wie ein Pfeil, den man gegen jemanden richtet und ihn dann damit ins Herz trifft. Und auch wenn man sich danach entschuldigt, so bleibt trotzdem etwas im Herzen dieses Menschen!“
Die Zunge – liebe Brüder und Schwestern – ist eine Gabe Allahs an uns, damit wir uns verständigen, miteinander reden können, uns äußern können.
Allah sagt: „Haben Wir ihm nicht zwei Augen gemacht, eine Zunge und zwei Lippen“ (Koran 90:8-9)
Gegeben damit der Mensch in der Lage ist, sich zu äußern, sich verständlich zu machen.
Wichtig ist aber auch zu wissen, dass alles, was wir sagen, festgehalten, niedergeschrieben wird, und wir dafür zur Rechenschaft gezogen werden, so hat es Allah im Koran (50:18) gesagt. Jedes Wort, welches gesprochen wird, wird auch gleichzeitig niedergeschrieben, festgehalten durch 2 Engel. Und entsprechend hat der Prophet (s) gesagt, dass das Meiste, das Schlimmste, was die Menschen in die Hölle bringt, ist eben das, was sie sagen!
Als der Prophet (s) eines Tages von einem seiner Gefährten gefragt wurde: „Wie kann ich mich retten?“, da antwortete er: „Bewahre dir deine Zunge!“ D.h. überleg dir, was du sagen willst, bevor du es sagst!
Es gibt verschiedene Situationen – liebe Brüder und Schwestern – in denen uns der Prophet zu einem bestimmten Verhalten aufgefordert hat, und auch zu dem, was wir dann sagen sollen.
„Der Dank“ ist zum Beispiel eine dieser verschiedenen Situationen. Dass man sich bedanken soll, wenn man Gutes erfahren hat, dass man „Danke!“ sagt, dass man auch sagt: „Möge Allah es dir reichlich belohnen!“
Denn dies führt dazu, dass die Beziehungen zu den Menschen besser werden, und dass die Menschen auch motiviert werden, weiterhin Gutes zu tun.
„Der gute Ratschlag“, „Die gute Empfehlung“ – auch dazu hielt uns der Prophet (s) an, und dies auch in der entsprechenden vernünftigen guten Art und Weise, damit man seinen Bruder oder seine Schwester nicht bloß stellt beim Geben von Ratschlägen, und dies auch in einem guten und schönen Ton, dass dieser gute Ratschlag angenommen wird.
Wir müssen aber auch Maß halten beim Loben eines Menschen, damit dieser nicht dazu verleitet wird, überheblich zu werden – so hat es der Prophet Mohamed (s) gesagt: wenn wir loben, dann sollen wir sagen, dass wir so denken von dieser Person, und Allah weiß am besten Bescheid über diese Person.
Und umgekehrt wenn wir über jemanden urteilen oder Negatives sagen, dann muss man bei der Gerechtigkeit bleiben, gerecht sein.
Wenn jemand Gutes tut, dann sollen wir das ihm auch sagen, wenn jemand aber Schlechtes tut, dann sollen wir ihm das ebenso sagen, aber in einer vernünftigen und guten Art und Weise.
Wir werden ebenfalls dazu angehalten, unsere Gefühle gegenüber anderen zu zeigen, zu äußern, die Zuneigung, die Anerkennung, die Liebe auf dem Wege Allahs.
Eines Tages hat ein Gefährte des Propheten (s) zu ihm gesagt, ich liebe den Menschen „Soundso“ für Allah, also auf seinem Weg, da sagte der Prophet (s) zu ihm: „Hast du ihm das denn gesagt?“, worauf dies der Mann verneinte. Da sagte der Prophet (s) zu ihm: „Geh hin zu ihm und sage ihm, dass du ihn liebst, für die Sache Allahs, auf dem Wege Allahs.“
Und als Antwort, da hat der Prophet (s) gesagt, soll man sagen: „Möge Allah dich lieben, so wie du mich seinetwegen geliebt hast.“
Das sind eben verschiedene Situationen – liebe Brüder und Schwestern – wo es wichtig ist, was man sagt, und dass man das Richtige sagt, und wenn wir immer überlegen, bevor wir etwas sagen, dann ist das gut für unser Leben und unseren Alltag hier aber auch für unser jenseitiges Leben.
Wenn sich jeder so verhalten würde, dann würden viele Konflikte und Probleme nicht erst entstehen!
Möge Allah der Erhabene uns zu seinen rechtschaffenen Dienern zählen lassen, amen!
Gut und besser, wichtig und wichtiger
Liebe Brüder und Schwestern,
eines Tages saß ein Gelehrter mit seinen Schülern zusammen.
Er hatte ein großes Glas mitgebracht und Steine in verschiedenen Größen. Er sagte zu ihnen: „Ich möchte mit euch heute ein Experiment durchführen.“
Er nahm die größten Steine, die er bei sich hatte, und tat sie in das Glas vor sich, dann fragte er: „Was meint ihr - ist das Glas jetzt voll?“
Dies bejahten die Schüler. Dann nahm er die kleineren Steine und tat sie ebenfalls in das Glas.
Sie fanden alle Platz in den Zwischenräumen zwischen den großen Steinen.
Wieder fragte er die Schüler: „Ist das Glas nun voll?“
Wiederum mussten dies die Schüler bejahen. Am Ende nahm er Sand und füllte ihn ins Glas. Dieser füllte die restlichen Zwischenräume der größeren Steine vollends auf. Da sagte er zu seinen Schülern:
„So wie dieses Glas und die Steine verschiedener Größen ist auch euer Leben und auch die Dinge in eurem Leben. Die die wichtig sind und die, die nicht so wichtig sind. Fangt immer mit den großen Steinen an beim Einfüllen! Denn würdet ihr mit dem Sand beginnen, so wäre das Glas – also euer Leben – voll mit den unwichtigeren Dingen, und es gäbe keine Zwischenräume für die wichtigen Dinge! Denn der Sand füllt das Glas komplett und lässt keine Zwischenräume. Beginnt ihr jedoch mit den wichtigen Dingen, so bleibt genug Zwischenraum für die weniger wichtigen Dinge, hier in diesem Experiment den Sand!“
Diese Geschichte ist ein Gleichnis, das wir heute eingangs benutzen wollen, um über ein wichtiges Thema zu sprechen, das Verstehen und das Setzen von Prioritäten. Früher haben die Gelehrten von so genannten „Stufen“ bei den Taten gesprochen, dass manche Handlungen besser seien als andere.
Allah sagt im Koran: „Stellt ihr etwa die Tränkung der Pilger und das Bevölkern der geschützten Gebetsstätte (den Werken) dessen gleich, der an Allah und den Jüngsten Tag glaubt und sich auf Allahs Weg abmüht? Sie sind nicht gleich bei Allah.“ (Koran 09:19)
Hier sagt uns Allah, dass es doch Handlungen, Taten und religiöse Pflichten gibt, die wichtiger sind als andere, und die dann auch entsprechend Priorität haben vor anderen.
Auch die Zeit, in der man eine bestimmte Handlung vollzieht, ist entscheidend:
Je nachdem, wie die Umstände sind, unter denen man eine Tat oder Handlung unternimmt, ist die eine richtiger oder wichtiger als eine andere. Deswegen hat Allah gesagt: „Nicht gleich sind diejenigen von euch, die vor dem Sieg ausgegeben und gekämpft haben, ... Diese haben eine höhere Rangstufe als diejenigen, die erst nachher ausgegeben und gekämpft haben. Allen aber hat Allah das Beste versprochen. Und Allah ist dessen, was ihr tut, Kundig.“ (Koran 57:10)
Also beiden hat Allah Gutes versprochen, aber die einen sind eben besser als die anderen bei ihm, die sich in einer schwierigen Zeit für die Sache Allahs eingesetzt haben.
Weil es den Gefährten des Propheten (s) wichtig war, durch welche Tat man Allah näher kommen kann, haben sie immer wieder den Propheten (s) gefragt: „Welche Tat ist Allah am liebsten?“
Und der Prophet (s) hat unterschiedliche Antworten gegeben!
Einmal sagte er: „Zuerst der Glaube an Allah und seinen Gesandten, danach der Dschihad auf dem Wege Allahs, also der Einsatz, das Bemühen, auf dem Wege Allahs, und drittens dann eine gute, eine rechtschaffene Pilgerfahrt.“
Eine andere Antwort des Propheten (s) war: das Gebet zu der rechten Zeit stünde an erster Stelle, und an zweiter Stelle, dass man rechtschaffen, gütig und freundlich gegenüber seinen Eltern handelt, und an dritter Stelle der Einsatz und das Bemühen auf dem Wege Allahs.
In einer anderen Überlieferung hat er an dritter Stelle gesagt, dass die Menschen allgemein vor der Zunge des Muslims in Frieden sein sollen, was heißt, dass man mit seiner Zunge, mit seinen Worten andere nicht angreifen, beleidigen oder über andere lästern soll.
Ein anderes Mal, als der Prophet (s) gefragt wurde, welche Tat Allah denn am liebsten sei, da sagte er: das Dauerhafte, auch wenn das wenig sei.
Wir sehen, einmal nannte der Prophet Taten – Dinge, die man tun kann – ein anderes Mal hat der Prophet (s) über die Art und Weise, wie man eine Handlung vollzieht, gesprochen, je nachdem, wie man die Frage stellte und je nach der Einschätzung des Propheten (s), welche Antwort der Fragende gerade braucht. Dementsprechend waren die Antworten des Propheten (s) unterschiedlich.
Zurück zu der eingangs erzählten Geschichte – liebe Brüder und Schwestern:
- Jeder von uns hat die Aufgabe, für sich klar zu definieren, was einem in seinem Leben wichtig ist und auch, was wichtig und weniger wichtig ist, damit man mit den wichtigen Dingen im Leben anfängt:
auf der einen Seite, um das Wohlgefallen Allahs zu erreichen, auf der anderen Seite aber auch, um ein gutes Leben führen zu können, in seinem Leben auch glücklich sein zu können.
Die Religion zum Beispiel ist sehr wichtig, und soll eben auch deswegen den entsprechenden Platz im Leben eines jeden Muslims einnehmen. Das ist die eine Sache, die andere ist die, dass innerhalb der Religion verschiedene Handlungen oder religiöse Pflichten da sind, von denen manche wichtiger sind als andere, und entsprechend soll man diese zuerst vollziehen, bevor man mit den weniger wichtigen Dingen anfängt.
Deswegen hat uns Allah gesagt: „Das Beste, womit mein Diener mir näher kommen kann ist das, was ich ihm zur Pflicht gemacht habe.“
Gemeint sind die Säulen der Religion, die sind wichtig. Und danach eben die empfohlenen oder die freiwilligen Handlungen.
Auch die Zeit muss berücksichtigt werden, weswegen Abu Bakr, der erste Nachfolger des Propheten (s) seinem Nachfolger Omar – möge Allah mit beiden zufrieden sein – sagte:
„Und wisse, dass es Dinge gibt, die Allah von uns am Tag erwartet und die er in der Nacht von uns nicht annimmt, und umgekehrt, dass es Dinge gibt, die wir in der Nacht vollziehen sollen, und die Allah am Tag nicht annimmt, und wisse, dass eine freiwillige Tat von Allah nicht angenommen wird, wenn man nicht vorher die religiösen Pflichten erfüllt.“
- Als der Prophet Ibrahim und sein Sohn Isma’il Allah darum baten, für die Muslime einen Propheten zu senden, sprachen sie: „Unser Herr, schicke zu ihnen einen Gesandten von ihnen, der ihnen Deine Worte verliest und sie das Buch und die Weisheit lehrt und sie läutert. Du bist ja der Allmächtige und Allweise.“ (Koran 02:129)
Dieses Bittgebet hat Allah angenommen. Nur die Reihenfolge änderte Allah. „So, wie Wir zu euch einen Gesandten von euch geschickt haben, der euch Unsere Worte verliest und euch läutert und euch die Schrift und die Wahrheit lehrt und euch lehrt, was ihr nicht wusstet.“ (Koran 02:151)
Das heißt, diese Läuterung, diese Reinigung, der gute Charakter, die gute Beziehung zu Allah und zu den Menschen ist wichtiger und hat Priorität vor der Wissensaneignung.
Bevor man sich Wissen aneignet und sich mit verschiedenen Fragen der Religion beschäftigt und auseinandersetzt, ist es wichtig, dass man sein Herz reinigt, läutert, eine gute Beziehung zu Allah hat, in der diese Aufrichtigkeit gegenüber Allah gegeben ist, und auch der freundliche und gerechte Umgang mit den Menschen im Sinne eines guten Charakters zu haben.
Und deswegen hat der Prophet (s) ebenfalls geantwortet auf die Frage, welche Tat denn Allah am liebsten sei: Die Güte des Charakters!
- Es ist wichtig, dass man bei sich anfängt, dass man die eigenen Fehler sieht vor den Fehlern anderer, und dass man bei sich anfängt und versucht, diese zu korrigieren, bevor man andere ermahnt! Entsprechend sagt Allah: „Beim Zeitalter! Der Mensch befindet sich wahrlich in Verlust, außer denjenigen, die glauben und rechtschaffene Werke tun und einander die Wahrheit eindringlich empfehlen und einander die Standhaftigkeit eindringlich empfehlen.“ (Koran 103:1-3)
Zuerst den Glauben bei sich verinnerlichen, das Gute tun und dann die Menschen aufrufen, sie entsprechend zu ermahnen und mitzunehmen.
- Es gibt verschiedene Menschen, mit denen man zu tun hat, und verschiedene, die Rechte einem gegenüber haben! Deswegen ist es wichtig, dass man gegenüber diesen Menschen einen freundlichen und gerechten Umgang pflegt, also einen guten Charakter, und dass man auch die Rechte dieser Menschen erfüllt:
Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist wichtig, und soll in beide Richtungen gepflegt werden, dass die Eltern sich um die Kinder kümmern und versuchen, sie in Liebe und Geborgenheit groß zu ziehen, aber auch, dass die Kinder gegenüber den Eltern den entsprechenden Respekt haben und auch den freundlichen Umgang.
Genauso wichtig ist der Umgang zwischen Eheleuten: Gerechtigkeit, Zuneigung, Liebe, freundlicher Umgang.
Dazu gehört auch, dass der Muslim in seiner Beziehung zu den anderen Muslimen, vor allem zu denjenigen, die man immer wieder sieht, mit denen man immer wieder in gleicher Reihe betet und vor Allah steht, ein reines, sauberes Herz gegenüber diesen Menschen hat und versucht, eine gute Beziehung zu ihnen zu haben.
Und so weiter, bis der Mensch einen guten Charakter und einen guten Umgang mit allen Menschen hat.
Es gibt gut und es gibt besser, es gibt wichtig, und es gibt wichtiger, und es ist eben die Aufgabe jedes Einzelnen von uns, dass man klar für sich definiert, was einem wichtig ist und dass man dann entsprechend handelt, auf der einen Seite, um das Wohlgefallen Allahs zu erreichen, auf der anderen Seite, um hier in diesem Leben glücklich leben zu können.
Möge Allah der Erhabene uns zu seinen rechtschaffenen Dienern zählen lassen, amen!
Ramadan, auf Wiedersehen
Lieber Bruder und Freund, Monat Ramadan,
sehr gefreut haben wir uns über dein Kommen, über deinen Besuch. Genossen haben wir die Zeit, die du bei uns verweilt hast, in Frieden und Freude. Du warst uns ein überaus guter Freund, Nachbar und Helfer. Heute nimmst du Abschied von uns. Die Gewissheit habe ich, dass weder unsere Seelen noch unsere Körper nach deinem Weggang sein werden wie während deiner gesegneten Zeit, so ist das Leben.
Wir nehmen Abschied von Dir, Monat der Barmherzigkeit,
mit Ehrfurcht in den Herzen, Tränen in den Augen und hoch gestreckten Händen zu Allah in Bittgebeten, dass Er uns unsere Anstrengungen annimmt und uns unsere Verfehlungen vergibt.
Mein Bruder,
der Friede Gottes möge dich auf deinem Weg begleiten. Dafür, dass du unsere Herzen wieder zum Leben gebracht hast. Dafür, dass du uns im Gebet versammelt hast. Dafür, dass du uns zum Koran geführt hast. Dafür, dass du es uns erleichtert hast, das Gute zu tun. Dafür, dass du es uns erleichtert hast, uns vom Verwerflichen fernzuhalten. Friede, Friede, Friede sei mit dir.
Lieber Bruder,
gehst du heute, so gehen wir alle. Trennst du dich heute von uns, so sagte uns der liebe Prophet: „liebe den, den du willst, die Trennung kommt gewiss.“
Lieber Bruder, Monat des Korans,
kommst du bei deinem Herrn an, so erwähne uns bei Ihm, überbringe Ihm unsere Friedensgrüße, sag Ihm, dass wir Ihn lieben, du bist unser Zeuge. Sag Ihm, dass wir Ihm dafür danken, dass Er dich zu uns geschickt hat und es uns ermöglichte, wieder den Anschluss zu finden und den Weg zu Ihm zu gehen. Erwähne uns bei deinem Herrn und sag Ihm: Deine Diener hoffen auf deine Barmherzigkeit und fürchten deine Strafe.
Bruder und Freund,
besucht hast du uns als Gast, warst dabei sehr großzügig und hast uns viele Geschenke gemacht, Momente des seelischen Friedens und der Gottesnähe. Und wir? Waren wir großzügig dir gegenüber? Haben wir dir deine Rechte gegeben? Sind wir dem Gebot der Gastfreundlichkeit nachgekommen? Vielleicht!
Wir haben uns bemüht und unser Bestes gegeben. Sollte Nachlässigkeit, sollten Fehler auf unserer Seite sein, so verzeih uns, Verzeihung gehört zu den Tugenden der Rechtschaffenen. Sprich für uns eine Fürbitte bei deinem Herrn. Ich bitte dich sehr darum.
Lieber Bruder, Monat der Vergebung,
sollten wir uns noch mal treffen, so ist dies einer meiner größten Wünsche. Sollte es aber anders sein, so treffen wir uns im Paradies, so Gott will, wenn wir durch das Tor „Arrayyan“, Tor des Fastens, ins Paradies eintreten. Für die Gnade Allahs ist nichts unmöglich.
Mein Bruder, mein Lieber,
ich verspreche dir und gebe dir mein Wort, dir treu zu bleiben. Dass ich das Gute tue, soweit es mir möglich ist. Dass ich mich vom Verwerflichen fernhalte, soweit es mir möglich ist. Dass ich mich für das Gute einsetze und dazu aufrufe, soweit es mir möglich ist. Dass ich vor dem Verwerflichen warne, soweit es mir möglich ist. Froh bin ich darüber, dass ich dich erleben durfte. Dankbar bin ich Gott für seine Nachsicht, seine Großzügigkeit, seine Rechtleitung und seine Unterstützung.
Lieber Bruder,
Tränen in meinen Augen, Trauer in meinem Herzen. Traurig bin ich, sehr traurig, von dir mich verabschieden zu müssen, aber ich sage nur das, womit Gott zufrieden sein wird: „Wir gehören Allah und zu Ihm kehren wir zurück“
Ich vertraue dich Gott an, bei Dem nichts verloren geht. Bis zum nächsten Wiedersehen, in dieser Welt oder in jener Welt.
Dein dich liebender Bruder
Mohamed Ibrahim
